Nach dem Großbrand im umstrittenen Lager Moria leben viele Geflüchtete auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos zwar in einem kurzfristig hochgezogenen Ersatzlager, doch die Bedingungen sind noch immer schlecht. Nun wollen Griechenland und die EU bis September nächsten Jahres auf Lesbos ein neues Flüchtlingszentrum bauen. EU-Kommission, EU-Agenturen und Griechenland unterschrieben dazu eine Absichtserklärung. »Wir werden anständige Bedingungen für ankommende Migranten und Flüchtlinge schaffen, aber auch die Gemeinden auf den griechischen Inseln unterstützen«, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Mehr zum Thema Flüchtlingslager Kara Tepe: "Alles leere Versprechungen" Von der Insel Lesbos berichtet Franziska Grillmeier Icon: Spiegel Plus Icon: Spiegel Plus Ein Flüchtling auf Lesbos: Yaser in der Asche von Moria Von Max Polonyi und Philipp Spalek (Fotos) Syrerin auf Lesbos: "Ich dachte, Europa ist ein anderer Ort" Aufgezeichnet von Alessandro Puglia und Maria Stöhr Im September war das dramatisch überfüllte Lager Moria bei einem Großbrand fast völlig zerstört worden. Tausende Asylsuchende lebten zeitweise auf der Straße, ehe die meisten in dem kurzfristig errichteten Übergangslager Kara Tepe unterkamen. Nach Angaben der EU-Kommission leben dort derzeit 7200 Menschen. Hilfsorganisationen bemängeln, Kara Tepe sei noch schlimmer als Moria. Das Zentrum soll laut einer Mitteilung der EU-Kommission zügige, faire und effektive Asylverfahren gewährleisten. Es werde Wohnbereiche mit Containern geben, einen Bereich für Neuankömmlinge, Medizincontainer sowie Erholungsbereiche etwa für Sport oder zum Spielen. In Fertighäusern soll es Bildungsangebote geben. Für Menschen mit Behinderung sind spezielle Räume vorgesehen. Zudem ist ein Haftbereich geplant, um »effektive Rückführung zu unterstützen«.99 Menschen aus Griechenland in Hannover gelandet In Deutschland sind derweil weitere Flüchtlinge von den griechischen Inseln angekommen. Insgesamt 99 Menschen landeten am Donnerstag mit einem Flugzeug in Hannover. Laut dem Bundesinnenministerium handelt es sich um 21 Familien und 13 unbegleitete Minderjährige. Die Familien bestehen aus 36 Erwachsenen und 50 Minderjährigen, von denen 24 krank sind. Mehr zum Thema SPIEGEL-Umfrage: Deutsche uneins über Aufnahme weiterer Flüchtlingskinder aus Griechenland Von Maria Stöhr Konferenz mit der Kanzlerin: Kommunen scheitern mit Forderung nach Aufnahme weiterer Flüchtlinge Die Koalition hatte nach dem verheerenden Brand in Moria im März vereinbart, im Rahmen eines europäischen Aufnahmeprogramms mehreren Hundert Migranten aus Lagern auf den griechischen Inseln die Einreise zu erlauben. Seit April sind im Rahmen dieser Vereinbarung nach Ministeriumsangaben 1291 Menschen nach Deutschland gekommen. Die Ankömmlinge werden auf mehrere Bundesländer verteilt.