Maximal 500 kW oder auch 680 PS, ein Drehmoment von 960 Newtonmetern, der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 3,2 Sekunden, Spitzengeschwindigkeit 272 Kilometer pro Stunde, zwei E-Motoren an der angetriebenen Hinterachse, weder ABS noch ESP – der Cupra e-Racer ist als Fahrmaschine konzipiert. Und das mit großem Erfolg. Cupra-Pilot Mattias Ekström krönte sich in der ersten Saison 2021 zum ersten Champion der Rennserie Pure ETCR. 2022 standen mit Adrien Tambay als Champion, Mattias Ekström und Tom Blomqvist gleich drei Cupra-Piloten am Ende der inzwischen nur noch ETCR genannte Serie mit sechs Rennwochenenden in der Gesamtwertung auf dem Treppchen. Ein kalter, aber sonniger Morgen in München - der beste Zeitpunkt für ein paar heiße Runden. Ja, es waren heiße Runden. Nicht nur aufgrund der enormen Leistung des e-Racers. Heiß war es schon im Vorfeld – allein beim Gedanken daran, am Steuer des 4,67 Meter langen, 1,95 Meter breiten und 1.750 Kilogramm schweren Kraftmeiers auf die Strecke zu gehen. Doch sich eine solche Chance entgehen lassen – niemals. Da ist die Lust auf das Erleben, die Neugier auf das eigene Erfahren der zur Verfügung stehenden Performance weitaus größer als die zugegeben vorhandene Nervosität, die sich spätestens beim Anziehen des Rennanzugs breit macht. Die schweißnassen Hände von Wolfgang sind dafür ein überdeutliches Zeichen. Dazu gesellen sich Hitzewallungen am ganzen Körper beim Blick auf das Lenkrad mit den vielen kleinen Druckknöpfen sowie die mit Schaltern gespickte Konsole rechts neben dem Fahrerplatz. Adrien Tambay aber beruhigt schnell. „Du brauchst dich um das alles nicht zu kümmern. Nur wenn das rote Licht aufleuchtet musst Du sofort anhalten. Dann stimmt mit der Technik des Autos etwas nicht. Das aber wird nicht passieren.“ Rotes Licht, grünes Licht, wenn es rot leuchtet - dann stimmt was nicht! Wichtig ist für Wolfgang also vor allem der Schalter fürs Vorwärtsfahren und – falls ich das Auto aus der Kurve werfen sollte – der Rückwärtsgang, der nur eingelegt werden kann, wenn zuvor die Postion N auf einem weiteren Schalter gewählt wird. Dazu der ganz wichtige Hinweis, dass die Bremse mit dem linken Fuß zu bedienen ist. Rechts beschleunigen, links bremsen. Das ist anders als in jedem herkömmlichen Auto. Dann ist es soweit. Die Lenksäule wird noch mit entsprechendem Werkzeug auf seine Körpergröße eingestellt. Es folgt der obligatorische Helm auf den Kopf und los geht’s. Die erste Runde noch mit Adrien im Vorausfahrzeug, um die Strecke kennenzulernen, anschließend drei so genannte Hot Laps, heißen Runden eben. Was während der Einführungsrunde noch so simpel erscheint, entpuppt sich bei hohem Tempo als nicht enden wollende Richtungsänderung. Die Kurve macht mehr und mehr zu. Mist, zu schnell, über die Curbs, die als Abgrenzung der vorgegebenen Fahrstrecke dienen, und wieder zurück. Gerettet. Die Schrecksekunde rüttelt richtig wach. Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass in dem Moment richtig Adrenalin ausgeschüttet wird, der Puls steigt und es wird einem richtig heiß hinterm Lenkrad. Noch konzentrierter ging es für Wolfgang auf in Runde zwei – die gelingt bereits deutlich besser, bevor es zum Abschluss eine echte Hot Lap gibt – zumindest so sein eigenes Gefühl. Wir können aber attestieren: Der Wagen reagiert geradezu brutal auf jeden noch so kleinen Druck aufs rechte Pedal. Die Lenkung ist direkt wie beim einem Gokart. Mit der McPherson-Federbein-Vorderradaufhängung liegt der e-Racer flach und stabil auf der Straße. Die Doppelquerlenker-Hinterradaufhängung hat vermutlich großen Anteil daran, dass es einen hervorragenden Kontakt zur Fahrbahn gibt. Und doch: Bei einer nur etwas zu heftigen Beschleunigung im Ausgang einer Kurve meldet sich das Heck nachdrücklich zu Wort, wenn die Räder noch nicht wieder ganz gerade nach vorne zeigen. Beim eine Idee zu späten Anbremsen schieben die mit Wolfgang mehr als 1,8 Tonnen Gewicht mächtig über die Vorderachse. Grundsätzlich aber ist es einfach klasse, wie der e-Racer nach der doch recht kurzen Eingewöhnungszeit gnadenlos um die Ecken fegt, auf der Geraden knallhart in der Spur bleibt. Die anerkennenden Worte Adriens - „good Job, very quick“ - nach dem Einparken des Autos an der Ladestation tun dann gut und zeigten Wolggang, dass er mit seiner Einschätzung auf eine relativ flotte letzte Runde vermutlich nicht komplett falsch gelegen hat. Electric Drive im Web: https://www.electricdrivemagazin.de Das Magazin findet ihr am Kiosk oder auch digital auf diesen Plattformen: Electric Drive auf Readly, der Leseflatrate: https://de.readly.com/electricdrive Electricdrive digital bei Zinio: https://www.zinio.com/de/electric-dri... Electric Drive bei Yumpu News: https://www.yumpu.com/news/document/o... Kennt ihr schon unseren Podcast? https://electricdrive.letscast.fm